Jetzt ist er es also.
Überlege immer, ob die Bildzeitung nur deshalb so scharf auf die englischen Deutschlandangriffe in der Presse reagiert, weil man dort weiß, dass die englischen Überschriften so viel besser sind.
Stolz sollen wir sein und uns freuen. Vielleicht ist es an der Zeit, mal ein paar Dinge zurechtzurücken.
Fast klingen einem schließlich schon die Ohren von all dem Pfeifen in der Welt.
Zuerst das Pfeifen im römischen Weinberg, dessen neuester Spitzenwinzer soeben inauguriert wurde. Auf dass er - wenn auch auf neuem Posten - nur fleißig weiter die von der Relativismus-Fäule befallenen Äste beschneiden möge. Auf dass er wenigstens die in den so erfolgreichen südamerikanischen Anbaugebieten der zum rechten Geist zu destillierenden Trauben nachwachsen lassen möge, wenn sein Vorgänger schon mit dafür sorgte, dass auf dem afrikanischen Kontinent die meisten frischen Gewächse kaum die communio überleben, weil in hoher Zahl von einem Virus befallen, der den der Werteaufweichung an Gefährlichkeit vielleicht doch übertrifft. Auf dass sich also, irgendwo in orbi ecclesiae noch Trauben (oder doch besser Schafe, um das Bild subtil zu wechseln) finden mögen, die dem neuen Oberhirten all die Lügen abnehmen, die er qua Amt zu erzählen gezwungen ist: Dass die Geschichte des Katholizismus eine Geschichte der Barmherzigkeit sei und nicht der Aggression, der Liebe und nicht der Menschenverachtung, der Aufrichtigkeit und nicht des Opportunismus, der Wahrhaftigkeit und nicht der Unvernunft, des Fortschritts und nicht der Reaktion. Auf dass die Apokalyptischen Reiter, wenn sie denn sowieso irgendwann kommen, es doch wenigstens bald und schnell tun mögen (so schnell also wie einst die Mongolen über das Abendland, mit denen sich, das sei am Rande erwähnt, die Kreuzfahrer im 13. Jahrhundert nur allzu gern gegen die heidnischen Moslems verbündeten. 1245 war es, als Papst Innozenz IV. eine Gesandtschaft an den Hof des Großkhans schickte, um auszuloten, wie die Mongolen beim neuen Kreuzzug Ludwigs des Heiligen strategisch einzubinden wären. Der gerade eingesetzte neue Khan Guyuk lehnte ab, doch gab Innozenz nicht auf und schickte eine weitere Gesandtschaft, die mit dem mongolischen Heerführer Baitschu in Täbris einen gemeinsamen Angriff auf die Ayubiten in Bagdad besprach. In der Folge sollte es zu vielen weiteren Verabredungen der Kreuzritter mit den Mongolen kommen).
Das Pfeifen im Heimatland des "Gesegneten": Auf dass sich der "Rottweiler Gottes" in seinem 79. Lebensjahr, nur weil er plötzlich eine Gehaltsklasse höhergerutscht ist, in einen zahmen Pudel verwandle, der große Veranstaltungen wie den Weltjugendtag oder Kirchentage nicht mehr als Ausdruck von "Dialogbesoffenheit" ansieht, wie es ein Kollege von ihm einst ausdrückte, sondern als ehrlichen Versuch, die Jugend zu gewinnen, von der jetzt soviel die Rede ist. Doch welcher Jugendliche hält sich denn an das, was der alte Mann da vorn, in hundert Meter Entfernung ihm Predigt? Bis auf ein paar merkwürdige amerikanische Teenager, die von ihren fanatisierten "bibeltreuen" Christeneltern die Schmutzigkeit der Sexualität eingeimpft bekamen wahrscheinlich recht wenige. Ein deutscher Papst nach 481 Jahren soll also ein Grund zur Freude sein, einer Freude, die auch die vielen fahnenschwenkenden, weltliche Lobpreisungen skandierenden Pilger besselt haben mag, die den Petersplatz seit Wochen zum modernen Wankdorfstadion machen. Wir sind wieder wer, nachdem wir uns, wie es Herr Lehmann ausdrückte, vor nicht einmal 60 Jahren "aus der Weltgemeinschaft selbst exkommunizierten". Warum aber sollen wir stolz sein, wenn das Einzige, was dieser Papst für sein Amt mitbringt ist, dass "er sich in der Weltkirche auskennt wie kein zweiter" (Schröder). Und was bitteschön, glaubt man hier, versteht Ratzinger unter der "Einheit der Christenheit"? Offenheit für andere Weltanschauungen? Toleranz? Modernität? Jede Oblate käme mir bei diesem Gedanken hoch, wenn mir diese nicht eh zu trocken wären, um sie in den Mund zu nehmen.
Und wieso wird man seit dem 11. September vor dreieinhalb Jahren nicht müde zu betonen, dass die christlichen Fundamentalisten nicht viel besser sind als die islamischen (zumal sich diese ja nicht wie die anderen ständig selbst dezimieren), um dann, wenn es darauf ankäme, einen für die Erneuerung stehenden neuen Mann zu wählen, einen nimmt, der sich seit vierzig Jahren einzig um das Dogma verdient gemacht hat, für die Fortsetzung der Inquisition mit anderen Mitteln (lat.: Medien)?
Jubel? Ja. Freude? Ja. Aber nur bei denen, die seit jeher hofften, dass sich die allumfassende Kirche selber ihr Grab gräbt, sich hineinlegt und auch noch, mit letzter Kraft und von Parkinson geschwächten Händen, sich die Erde auf den Sarg schaufelt. Nur Blumen werfen müssen andere.
Sunday, April 24, 2005
Wednesday, April 13, 2005
Jörg
Sicher, ich hab mich schon oft über J.Wontorra aufregen müssen, aber was er sich heute leistete übersteigt alles bisher Dagewesene. Dass Kovac und Lizarazu in ein amerikanisches Nahkampf-Ausbildungscamp als Übungsleiter gehören, aber auf keinen Fußballplatz, scheint ihm noch immer nicht aufgefallen zu sein. Aber wie sagte schon Andi Herzog nach dem Werder-Pokalsieg von 1999 gegen Bayern: "Es gibt doch einen Fußballgott".
Tuesday, April 12, 2005
Monday, April 11, 2005
Saturday, March 12, 2005
... que passa sozinha ...
Frage, die sich von Zeit zu Zeit stellt: Wie kommt es zu diesem merkwürdigen Gefühl der Erleichterung, das einen befällt, wenn man eine Frau, die man zuvor nur, neugierig und gespannt, von hinten sah, überholt und sie, indem man sich vorsichtig umdreht, erstmals von vorn sieht, um festzustellen, dass sie viel weniger schön ist als sie es einem durch ihren Gang, ihre Figur, ihre Haare oder sonst einen rückwärtig sichtbaren Körperteil versprochen hatte?
Die einzige, so erschreckende wie banale Antwort lautet: Weil sie dadurch nicht zu denen gehört, die einen nicht schlafen lässt, weil sie einem vor Augen führt, dass man nicht attraktiv oder interessant genug ist oder schlicht älter wird. Sie lässt einen in Ruhe.
In trügerischer Ruhe. Denn nur weil man sich an ihr nicht messen muss, heißt es ja nicht, dass auch sie einen zu unattraktiv, uninteressant, alt fände.
Die einzige, so erschreckende wie banale Antwort lautet: Weil sie dadurch nicht zu denen gehört, die einen nicht schlafen lässt, weil sie einem vor Augen führt, dass man nicht attraktiv oder interessant genug ist oder schlicht älter wird. Sie lässt einen in Ruhe.
In trügerischer Ruhe. Denn nur weil man sich an ihr nicht messen muss, heißt es ja nicht, dass auch sie einen zu unattraktiv, uninteressant, alt fände.
Sunday, February 27, 2005
Sunday, February 20, 2005
Glücksmoment
Harald Schmidt als Hitler, der die Jugend vor dem Wählen rechtsextremer Parteien warnt. Endlich wieder einer der Momente, in denen man denkt, dass er nicht noch besser werden kann. Kann er, und auch in der ARD.
Saturday, February 19, 2005
Wednesday, February 16, 2005
Es gibt viel zu tun
Schwach erinnere ich mich in diesen Tagen, dass ich am Beginn dieses Projektes einmal davon schrieb, mich nur einmal so fühlen zu wollen, wie ein normaler Arbeitnehmer mit einer geregelten Arbeitszeit. Nun weiß man ja, dass es diese kaum noch gibt, weil sie alle um ihren Arbeitsplatz fürchten und deshalb so freiwillig wie unbezahlt 20 Stunden die Woche mehr arbeiten. Diesem Zustand nähere ich mich momentan an. Habe sehr sehr viel zu tun, alles auf einmal und auch alles zugleich, so dass es gar nicht möglich wäre, eines nach dem anderem zu erledigen, so wie man es sich vorstellte, wenn man nicht wüsste, dass all die tollen Zeitmanagementtools und -programme auch nur dazu dienen, einem die Unmöglichkeit einer zu jeder Zeit perfekten Projektplanung effektiv vor sich selbst zu verschleiern.
Wenig Zeit also und trotzdem: Tatsächlich scheint es so, als könne man - zumindest für eine bestimmte Zeit - in den Zustand zurückgelangen, den man das letzte Mal im Studium kennen gelernt hat, nämlich den der höheren Freizeitwertschätzung und sinnvolleren Verwendung ebenjener durch permanente und intensive Arbeitsbeanspruchung (so zwischendurch wenigstens noch eine gewisse Menge an Freizeit übrigbleibt).
Der Umstand, dass ich all dies gerade zu Bildschirm brachte, mag letzteres für den ein oder anderen in Frage stellen.
Wenig Zeit also und trotzdem: Tatsächlich scheint es so, als könne man - zumindest für eine bestimmte Zeit - in den Zustand zurückgelangen, den man das letzte Mal im Studium kennen gelernt hat, nämlich den der höheren Freizeitwertschätzung und sinnvolleren Verwendung ebenjener durch permanente und intensive Arbeitsbeanspruchung (so zwischendurch wenigstens noch eine gewisse Menge an Freizeit übrigbleibt).
Der Umstand, dass ich all dies gerade zu Bildschirm brachte, mag letzteres für den ein oder anderen in Frage stellen.
Wednesday, February 09, 2005
Thursday, February 03, 2005
Aus gegebenem Anlass
Μόνον γελα τών ζώων άνθρωπος
Denn Lachen ist allein des Menschen Art
Aristoteles, Über die Teile der Tiere, 3,10
Feiste Männer und alberne Frauen in bunten Kostümen, feixend und grölend an langen Tischen in einem riesigen Saal sitzend. Pappnase rules. Narhalla-Marsch. Der Wein/ das Kölsch/ das Alt fließt in Strömen, schlechte Zoten und langweilige, altbackene Späße von zweitklassigen Knallchargen in lächerlichen Kostümen auf der Bühne. Ohrenbetäubende Bumsfallera-Musik beschallt Polonaise tanzende Steuerprüfer/ Patentanwälte/ Zahnarzthilfen/ Eisenbieger auf dem Weg ins selbstherbeigeführte Alaaf- und Helau-Nirwana. Auf den Herrentoiletten treffen sich die Honoratioren mit den noch nicht Arrivierten auf ein Schwätzchen und klüngeln sich was. „Na, dat muß doch zu rejeln sein, meinen’Se nit?“ „Sischer dat, dat krieje mer hin“. Am Aschermittwoch ist alles vorbei, und die Abrechnung folgt. Kopfschmerzen, schlechtes Gewissen und die feste Absicht, nächstes Jahr einmal auszusetzen und mit der Familie in die Sonne zu fliegen.
Das kennt jeder. Das kennt vor allem jeder, der den Karneval ansonsten nicht kennt, denn beim Zappen bleibt man in der Session schon mal bei der einen oder anderen Prunksitzung hängen und verbringt Sekunden oder gar Minuten fassungslos und paralysiert ob so viel Stumpfheit, Anspruchs- und Schamlosigkeit vor dem Bildschirm, bis man zur Besinnung kommt und per weiterer Bedienung des Telecommanders in die Zivilisation zurückkehrt.
Aber genau hier liegt das Problem. Von keinem, auch nicht vom ethnologisch Interessiertesten ist zu verlangen, sich nach einem solchen Eindruck und Einblick in die Sitten und Gebräuche der rheinischen und süddeutschen Narrinnen und Narresen noch weiter mit diesem Thema zu beschäftigen. Abgehakt. Okay, die sind irgendwie anders, schon verstanden. Sollen die doch machen, was sie wollen, aber mich und das gewohnte Fernsehprogramm in Ruhe lassen. Unbenommen, zugestanden und eingesehen. Doch leider bleibt es eben selten dabei. Nur zu oft gründet sich auf derlei Erfahrungen, gepaart mit Frontberichten befreundeter Kriegsberichterstatter aus der Karnevalskrisenregion, eine tiefe Feindschaft, eine regelrechte Kluft von geradezu ideologischen Ausmaßen, die auch durch intensives Zureden und schlüssige Argumente nicht zu überbrücken ist. Wie sollte es auch möglich sein, da sie ja nur die Kehrseite des Karnevalsordens kennen, die dümmlich grinsende, alkoholgerötete Fratze der Unzurechnungsfähigkeit.
Doch eines steht fest: Karneval ist eine wunderbare Sache. Wenn man weiß, wie es geht. Und wie nicht, versteht sich. Doch das wissen wenn überhaupt nur diejenigen, die tatsächlich mutig und entschlossen genug sind, sich einmal auf das Abenteuer einzulassen. Sei es Zufall oder Interesse oder Arglosigkeit, die sie dazu bringt, einmal nicht aus der Region zu fliehen, wie sie es jahrelang praktizierten, oder überhaupt erst einmal anzureisen ins Zentrum des Treibens. Was würden sie sehen?
Sie würden sehen, daß hinter all der aufgesetzten Lustigkeit vieler Karnevalisten ein ernsthaftes Bemühen um Erlösung steht. Erlösung vom Alltag, von der Eintönigkeit des Lebens, von der alles regierenden Rationalität meinetwegen auch. Wildfremde Menschen sprechen miteinander, trinken, lachen, singen, küssen, verkleiden sich oder auch nicht, und weinen zusammen, wenn ihnen danach ist. Daß es dabei oft peinlich und gezwungen zu und zur Sache geht, liegt in der Natur derselben, spricht aber nicht dafür, das es nicht auch anders geht. Denn noch immer enthält der Karneval ein genuines anarchisches und unkontrollierbares Element, das verhindert, daß er nur noch als Sauf- und Fremdgeh-Alibi für verklemmte Bürohengste dient. Im Karneval ist alles möglich, und eben auch, daß sich ernstzunehmende und jeder Peinlichkeit abholde Menschen auf eine Weise amüsieren können, die es ihnen auch nach Aschermittwoch noch erlaubt, sich im Spiegel zu betrachten, ohne daß ihnen die Schamröte ins Gesicht steigen muß.
Seit dem Mittelalter diente der Karneval Menschen aller Schichten und Berufe als Ventil, ansonsten bestehende Schranken zwischen ihnen zu überwinden, und sei es nur für eine kurze, begrenzte Zeit. Dies war eine Illusion, die half, die bestehenden Verhältnisse abzusichern und zu garantieren. Der Narrenkönig Victor Hugos im Glöckner von Notre Dame war König für einen Tag. Er durfte sich der Täuschung hingeben, über all die Menschen, die den großen Platz vor der Kathedrale bevölkerten, zu herrschen. Seine Nachfahren sind all die Metzger und mittelständischen Unternehmer, die viel Geld ausgeben, um einmal Prinz zu sein, und für einige Zeit ein entsprechendes Foto in ihren Laden zu hängen. „Das karnevalistische Leben ist ein Leben, das aus der Bahn des gewöhnlichen herausgetreten ist. Der Karneval ist die umgestülpte Welt“, sagte der russische Literartheoretiker Michail M. Bachtin und bezog sich dabei vor allem auf François Rabelais’ wunderbaren Roman Gargantua et Pantagruel. Doch am Aschermittwoch ist alles vorbei und alles kommt wieder an seinen Platz. Ist dies ein Argument gegen den Karneval? Daß er eine Illusion ist und nicht real? Unsinn. Wir lieben James Bond-Filme, in denen ein stets gut gekleideter Herr Martinis bestellt, feindliche Agenten gleich reihenweise um- und Frauen in gleicher Frequenz flachlegt. Ist das keine Illusion? Ist es. Und zwar eine, die wir genauso durchschauen und goutieren können wie den Karneval. Nur eben Menschen nicht, die nicht gelernt haben, hinter die platten Fernsehbilder zu schauen, und zu ängstlich sind, sich wenigstens einmal auf dieses Abenteuer einzulassen.
Denn Lachen ist allein des Menschen Art
Aristoteles, Über die Teile der Tiere, 3,10
Feiste Männer und alberne Frauen in bunten Kostümen, feixend und grölend an langen Tischen in einem riesigen Saal sitzend. Pappnase rules. Narhalla-Marsch. Der Wein/ das Kölsch/ das Alt fließt in Strömen, schlechte Zoten und langweilige, altbackene Späße von zweitklassigen Knallchargen in lächerlichen Kostümen auf der Bühne. Ohrenbetäubende Bumsfallera-Musik beschallt Polonaise tanzende Steuerprüfer/ Patentanwälte/ Zahnarzthilfen/ Eisenbieger auf dem Weg ins selbstherbeigeführte Alaaf- und Helau-Nirwana. Auf den Herrentoiletten treffen sich die Honoratioren mit den noch nicht Arrivierten auf ein Schwätzchen und klüngeln sich was. „Na, dat muß doch zu rejeln sein, meinen’Se nit?“ „Sischer dat, dat krieje mer hin“. Am Aschermittwoch ist alles vorbei, und die Abrechnung folgt. Kopfschmerzen, schlechtes Gewissen und die feste Absicht, nächstes Jahr einmal auszusetzen und mit der Familie in die Sonne zu fliegen.
Das kennt jeder. Das kennt vor allem jeder, der den Karneval ansonsten nicht kennt, denn beim Zappen bleibt man in der Session schon mal bei der einen oder anderen Prunksitzung hängen und verbringt Sekunden oder gar Minuten fassungslos und paralysiert ob so viel Stumpfheit, Anspruchs- und Schamlosigkeit vor dem Bildschirm, bis man zur Besinnung kommt und per weiterer Bedienung des Telecommanders in die Zivilisation zurückkehrt.
Aber genau hier liegt das Problem. Von keinem, auch nicht vom ethnologisch Interessiertesten ist zu verlangen, sich nach einem solchen Eindruck und Einblick in die Sitten und Gebräuche der rheinischen und süddeutschen Narrinnen und Narresen noch weiter mit diesem Thema zu beschäftigen. Abgehakt. Okay, die sind irgendwie anders, schon verstanden. Sollen die doch machen, was sie wollen, aber mich und das gewohnte Fernsehprogramm in Ruhe lassen. Unbenommen, zugestanden und eingesehen. Doch leider bleibt es eben selten dabei. Nur zu oft gründet sich auf derlei Erfahrungen, gepaart mit Frontberichten befreundeter Kriegsberichterstatter aus der Karnevalskrisenregion, eine tiefe Feindschaft, eine regelrechte Kluft von geradezu ideologischen Ausmaßen, die auch durch intensives Zureden und schlüssige Argumente nicht zu überbrücken ist. Wie sollte es auch möglich sein, da sie ja nur die Kehrseite des Karnevalsordens kennen, die dümmlich grinsende, alkoholgerötete Fratze der Unzurechnungsfähigkeit.
Doch eines steht fest: Karneval ist eine wunderbare Sache. Wenn man weiß, wie es geht. Und wie nicht, versteht sich. Doch das wissen wenn überhaupt nur diejenigen, die tatsächlich mutig und entschlossen genug sind, sich einmal auf das Abenteuer einzulassen. Sei es Zufall oder Interesse oder Arglosigkeit, die sie dazu bringt, einmal nicht aus der Region zu fliehen, wie sie es jahrelang praktizierten, oder überhaupt erst einmal anzureisen ins Zentrum des Treibens. Was würden sie sehen?
Sie würden sehen, daß hinter all der aufgesetzten Lustigkeit vieler Karnevalisten ein ernsthaftes Bemühen um Erlösung steht. Erlösung vom Alltag, von der Eintönigkeit des Lebens, von der alles regierenden Rationalität meinetwegen auch. Wildfremde Menschen sprechen miteinander, trinken, lachen, singen, küssen, verkleiden sich oder auch nicht, und weinen zusammen, wenn ihnen danach ist. Daß es dabei oft peinlich und gezwungen zu und zur Sache geht, liegt in der Natur derselben, spricht aber nicht dafür, das es nicht auch anders geht. Denn noch immer enthält der Karneval ein genuines anarchisches und unkontrollierbares Element, das verhindert, daß er nur noch als Sauf- und Fremdgeh-Alibi für verklemmte Bürohengste dient. Im Karneval ist alles möglich, und eben auch, daß sich ernstzunehmende und jeder Peinlichkeit abholde Menschen auf eine Weise amüsieren können, die es ihnen auch nach Aschermittwoch noch erlaubt, sich im Spiegel zu betrachten, ohne daß ihnen die Schamröte ins Gesicht steigen muß.
Seit dem Mittelalter diente der Karneval Menschen aller Schichten und Berufe als Ventil, ansonsten bestehende Schranken zwischen ihnen zu überwinden, und sei es nur für eine kurze, begrenzte Zeit. Dies war eine Illusion, die half, die bestehenden Verhältnisse abzusichern und zu garantieren. Der Narrenkönig Victor Hugos im Glöckner von Notre Dame war König für einen Tag. Er durfte sich der Täuschung hingeben, über all die Menschen, die den großen Platz vor der Kathedrale bevölkerten, zu herrschen. Seine Nachfahren sind all die Metzger und mittelständischen Unternehmer, die viel Geld ausgeben, um einmal Prinz zu sein, und für einige Zeit ein entsprechendes Foto in ihren Laden zu hängen. „Das karnevalistische Leben ist ein Leben, das aus der Bahn des gewöhnlichen herausgetreten ist. Der Karneval ist die umgestülpte Welt“, sagte der russische Literartheoretiker Michail M. Bachtin und bezog sich dabei vor allem auf François Rabelais’ wunderbaren Roman Gargantua et Pantagruel. Doch am Aschermittwoch ist alles vorbei und alles kommt wieder an seinen Platz. Ist dies ein Argument gegen den Karneval? Daß er eine Illusion ist und nicht real? Unsinn. Wir lieben James Bond-Filme, in denen ein stets gut gekleideter Herr Martinis bestellt, feindliche Agenten gleich reihenweise um- und Frauen in gleicher Frequenz flachlegt. Ist das keine Illusion? Ist es. Und zwar eine, die wir genauso durchschauen und goutieren können wie den Karneval. Nur eben Menschen nicht, die nicht gelernt haben, hinter die platten Fernsehbilder zu schauen, und zu ängstlich sind, sich wenigstens einmal auf dieses Abenteuer einzulassen.
Tuesday, February 01, 2005
Thursday, January 27, 2005
Sunday, January 23, 2005
Milch
Zwei Gerichte, zu denen Milch am besten schmeckt:
Linsensuppe
Makkaroniauflauf (was ist eigentlich mit den alten Makkaroni von früher passiert, den langen dünnen, röhrenartigen Nudeln, die es in unserer Kindheit gab?)
Linsensuppe
Makkaroniauflauf (was ist eigentlich mit den alten Makkaroni von früher passiert, den langen dünnen, röhrenartigen Nudeln, die es in unserer Kindheit gab?)
Saturday, January 22, 2005
Vorschläge
Vier Ideen, was man mit den 40 Millionen Dollar (die Sicherheitsmaßnahmen nicht mitgerechnet), die die Inauguration (oder sollte man von einer Konsekration sprechen?) des G.W. Bush kostete, noch so alles hätte machen können:
1. Erhöhung der globalen US-Entwicklungshilfe um 100%.
2. Bessere Panzerung der High-Mobility Multipurpose Wheeled Vehicles seiner Soldaten im Irak, auf dass nicht ganz so viele tagtäglich von ihnen in die Luft fliegen.
3. Fonds für die zu erwartenden Anwaltskosten nach seiner Amtszeit, wenn die wegen diverser Folterungen verhafteten Soldaten klären lassen wollen, wer denn eigentlich die Spitze des Chain of Command bildete.
4. Für nur noch 103,95$ bekommt er den National Geographic Atlas of the World, Eight Edition, in dem nachzusehen ist, wo Weißrussland, Myanmar und Simbabwe liegen (Vorausgesetzt bei Kuba, Nordkorea und dem Iran weiß er es inzwischen). Vorteil: So hätte er 39.999896,05 Dollar übrigbehalten. Zwei Flaschen Champagner auf einem der Bälle weniger und der Atlas wäre bezahlt gewesen.
1. Erhöhung der globalen US-Entwicklungshilfe um 100%.
2. Bessere Panzerung der High-Mobility Multipurpose Wheeled Vehicles seiner Soldaten im Irak, auf dass nicht ganz so viele tagtäglich von ihnen in die Luft fliegen.
3. Fonds für die zu erwartenden Anwaltskosten nach seiner Amtszeit, wenn die wegen diverser Folterungen verhafteten Soldaten klären lassen wollen, wer denn eigentlich die Spitze des Chain of Command bildete.
4. Für nur noch 103,95$ bekommt er den National Geographic Atlas of the World, Eight Edition, in dem nachzusehen ist, wo Weißrussland, Myanmar und Simbabwe liegen (Vorausgesetzt bei Kuba, Nordkorea und dem Iran weiß er es inzwischen). Vorteil: So hätte er 39.999896,05 Dollar übrigbehalten. Zwei Flaschen Champagner auf einem der Bälle weniger und der Atlas wäre bezahlt gewesen.
Thursday, January 20, 2005
Arbeit
Das Jahr lässt sich gut an, was die Arbeit betrifft. Zumindest hab ich viel zu tun udn kaum noch freie Zeit, ich deute das mal als gutes Zeichen. Vielleicht gelange ich irgendwann auch dahin, mit dieser Arbeit auch noch Geld zu verdienen, ich glaube, das sollte das mittelfristige Ziel sein. Werde mal über so etwas nachdenken wie persönliches Qualitätsmanagement, was immer das auch heißen mag, klingt aber interessant.
Selbst mein Computer scheint Mitleid mit mir zu haben und läuft seit zwei Tagen ohne unvorhergesehene Spontanneustarts. Leider heißt das nichts, denn das tat er zuletzt auch, als er dann eines Morgens gar nicht mehr anspringen wollte.
Harald Schmidt war heute langweilig; hätte nicht gedacht, mich das eines Tages schreiben zu sehen.
Selbst mein Computer scheint Mitleid mit mir zu haben und läuft seit zwei Tagen ohne unvorhergesehene Spontanneustarts. Leider heißt das nichts, denn das tat er zuletzt auch, als er dann eines Morgens gar nicht mehr anspringen wollte.
Harald Schmidt war heute langweilig; hätte nicht gedacht, mich das eines Tages schreiben zu sehen.
Wednesday, January 19, 2005
Monday, January 10, 2005
Mein Gott
Fast konnte einem Wolfgang Huber leid tun, als Friedman ihn gestern fragte, ob Gott denn gütig sein könne, wenn er eine solche Katastrophe wie die in Südasien zulasse. Der Bischof versuchte nicht einmal sich, herauszuwinden.
Mein Lieblingsparadoxon, das die Allmacht Gottes recht trefflich in Frage stellt: Ist es Gott möglich, einen Stein zu erschaffen, den er selbst nicht heben kann? Wenn er es nicht kann, ist er nicht allmächtig; kann er es, auch nicht, weil er dann ja den Stein nicht heben kann.
Wie viele andere Einsichten verdanke ich diesen Gedanken dem schönen Buch "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier. Wenn es auf den letzten hundert Seiten nicht noch erheblich abbaut, ist es eines der besten Bücher, die ich seit Monaten gelesen habe.
Mein Lieblingsparadoxon, das die Allmacht Gottes recht trefflich in Frage stellt: Ist es Gott möglich, einen Stein zu erschaffen, den er selbst nicht heben kann? Wenn er es nicht kann, ist er nicht allmächtig; kann er es, auch nicht, weil er dann ja den Stein nicht heben kann.
Wie viele andere Einsichten verdanke ich diesen Gedanken dem schönen Buch "Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier. Wenn es auf den letzten hundert Seiten nicht noch erheblich abbaut, ist es eines der besten Bücher, die ich seit Monaten gelesen habe.
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